Ein Waisenkind findet einen Vater

geschrieben von Miller Louthan

1980 brachte eine Frau in einem kleinen Dorf in Südasien ihr Kind mitten auf der Strasse zur Welt und liess es mit der Nabelschnur auf der Strasse liegen. Eine britische Hilfsorganisation, dir dort arbeitete, wurde über den kleinen Jungen informiert, der wie durch ein Wunder noch lebte, aber ein Zuhause brauchte. Einer der Ärzte der Organisation übergab das Baby einem Hausmädchen, das in seinem Haus arbeitete, damit es aufgezogen werden und eine Schulbildung erhalten konnte. „Dieses kleine Baby war ich", erklärt Nadir*, ein OM-Mitarbeiter.

Nadir beschreibt sein frühes Leben als eine Achterbahn, in der er dem Auf und Ab unterworfen war, das ihn von einem Lebensabschnitt zum Nächsten trieb. Der Schmerz und die Depression darüber, dass er als Kind als Waise bezeichnet wurde, keine familiären Bindungen oder Traditionen hatte, auf die er sich stützen konnte, und die Verbitterung über diese Verletzungen veranlassten Nadir, seine Heimat in Südasien zu verlassen. Als er mithilfe eines gefälschten Passes im Nahen Osten ankam, versuchte er, ein neues Leben zu beginnen, indem er zunächst auf einer Baustelle und dann in einem Geschäft dort arbeitete. Nadir fühlte sich zutiefst isoliert und kontrollierte seine Einsamkeit, indem er sie in Alkohol ertränkte. Nie hätte er sich vorstellen können, dass er nur wenige Jahre später Teil einer Familie sein würde, die sich über den ganzen Globus erstreckt, und dass Gott ihn zu einer anderen Art von neuem Leben führen würde: zu einer ewigen Hoffnung auf ihn.

Während eines ganz normalen Arbeitstages als Verkäufer verkaufte Nadir ein Reinigungsprodukt an eine schottische Frau, die in der Nähe arbeitete. Sie kehrte am nächsten, übernächsten und überübernächsten Tag in den Laden zurück, und schon bald ging Nadir nach der Arbeit über die Strasse, um seine neue Bekannte in ihrem kleinen Buchladen zu besuchen. Nadir merkte, dass Gott an seinem Herzen arbeitete und wollte mehr über ihn erfahren. Die Frau fing an, von Jesus zu erzählen und Nadir mehr darüber zu lehren, wer Gott ist.

Nadir lächelt immer noch, wenn er sich an die Freundschaft mit der schottischen Frau erinnert, und sagt, dass seine Taktik, von Jesus zu erzählen, bis heute darin besteht, zuerst Beziehungen aufzubauen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass eine Beziehung der Angst vor Ablehnung durch Familie und Gemeinschaft entgegenwirkt, der viele Hindus ausgesetzt sind. „Wir können Landwirtschaft oder Freundschaft nutzen, wir können alles tun, um Vertrauen aufzubauen. Aber wir müssen kreativ sein, wenn es darum geht, wie wir die Menschen erreichen können", erklärt Nadir. Er weiss, dass es kein Zufall war, dass er im Nahen Osten eine Freundin getroffen hat, sondern dass diese Beziehung Teil von Gottes Liebe und Plan für sein Leben war.

Obwohl alles, was Nadir von seinem leiblichen Vater wusste, das Fragezeichen neben „Name des Vaters“ auf seiner Geburtsurkunde war, lernte er Gott kennen, der ihn auserwählt hatte und ihn mit Namen kannte. „Nachdem ich Jesus Christus begegnet war, war der Schmerz und die Last weg. Ich war sehr stolz, weil Gott mich auserwählt hatte und sagt, dass ich sein Sohn bin", erzählt Nadir. Ein Jahr lang studierte Nadir mit einer kleinen Gruppe heimlich die Bibel, bevor er sich taufen liess. Bald darauf kehrte er in sein Heimatland zurück, um seinen Landsleuten von dem Gelernte weiterzuerzählen.

Das Evangelium weitergeben

Nadir erzählte von seinem neuen Glauben zuerst seiner Frau, die aus einer hinduistischen Familie stammte und die er geheiratet hatte, bevor er in den Nahen Osten ging. Seine Leidenschaft, anderen von Jesus zu erzählen, wuchs weiter. Er schloss sich OM für ein einjähriges Praktikum in der Landwirtschaft an, wo er von der Vision, Jesus in einigen der am schwersten zu erreichenden Gegenden des Landes zu verkünden, noch mehr inspiriert wurde. Nachdem er das Land verlassen hatte, um an einer Bibelschule zu studieren, versprach er, im Jahr 2021 wieder bei OM zu arbeiten.

Seine derzeitige Hauptaufgabe besteht darin, christliche Literatur in kleinere Pakete zu verpacken, die dann in grossen Taschen an OM-Teams und Kirchen im ganzen Land verteilt werden. Diese Arbeit, die manchen trivial erscheinen mag, hat Nadirs Leidenschaft nicht geschmälert. Stattdessen packt er jedes Jahr treu Tausende von Büchern und ist überzeugt, dass seine Arbeit dazu beiträgt, dass Gottes Wort in die Hände von Männern, Frauen und Kindern gelangt, die sonst kaum Zugang zu Jesus haben. „Das Grösste ist, mit Gott zu arbeiten. Er ist unsere Quelle, und wenn jemand mit seiner Quelle arbeiten kann, dann wird er natürlich auch voller Energie sein", erklärt er.

Der Schmerz und die Ablehnung, vor denen er früher täglich zurückschreckte, sind durch Freude und Frieden in Jesus ersetzt worden. „Wenn ich Jesus Christus im Nahen Osten nicht begegnet wäre, wäre ich jetzt ein anderer Mensch", ist er sich sicher. Von seinen ersten Begegnungen mit Gottes Wort durch das Bibelstudium im Nahen Osten über sein Bibelstudium bis hin zu seiner Rolle als Bücherpacker, der es anderen ermöglicht, christliche Literatur zu erhalten, hat Nadir mehr über seinen himmlischen Vater entdeckt – und diese vollkommene Liebe hat sein Leben für immer verändert.

*Name geändert