Zur rechten Zeit am rechten Ort

written by OM Schweiz

Am Freitag, 9. April 2021, brach der Vulkan auf der karibischen Insel St. Vincent und die Grenadines zweimal aus. Eine Wolke von Asche legte sich über die Insel und stürzte die Bewohner in grosse Not. An diesem Tag hatten wir mit unserem Schiff Kurs auf St. Vincent genommen und trafen zwei Tage später dort ein. Für mich war das Gottes Führung!

Während der Fahrt bereiteten wir Hunderte von Hygiene-Paketen, Schulpaketen, Schuhen und Kleidern zur Verteilung in St. Vincent vor. Unsere Bäckerei lief auf Hochtouren, verschiedene Essensvorräte wurden abgepackt und 1400 Wasserfilter vorbereitet. Unsere Umkehrosmose-Wasseraufbereiter füllten alle unsere Tanks. Gleichzeitig fiel der lang ersehnte Regen. Dieser säuberte die Luft erheblich und wusch einen Grossteil der Asche weg. Doch das Regenwasser und alle Flüsse waren mit Asche verseucht, deshalb war frisches Wasser das grösste Problem.

«Lebendiges Wasser» für St. Vincent

Da wir für die jährliche Wartung ins Trockendock nach Curaçao mussten, konnten wir nur von Montag bis Dienstagmorgen in St. Vincent bleiben. In dieser Zeit kamen jedoch sehr viele Leute mit jeglicher Art von Behältern, um bei uns Wasser zu holen. Die einen liessen Plastikflaschen auffüllen, andere fuhren mit dem Feuerwehrauto vor, um evakuierte Bewohner in Notunterkünften zu beliefern. Insgesamt konnten wir 150‘000 Liter Trinkwasser abgeben. Sogar in der Nacht kamen immer wieder Leute. Wir hatten einen Nachtschichtplan eingerichtet. Erstaunlicherweise holten die meisten nicht einfach nur für sich selber Wasser, sondern brachten es anderen. Wir konnten mit den Leuten reden, für sie beten und ihnen von der Frohen Botschaft, die uns Hoffnung gibt, erzählen. Beides wurde dankbar angenommen.

Seit vier Tagen kein frisches Wasser

Ausschnitt aus einem Gespräch, morgens um 5 Uhr, mit Jay, dem Fahrer eines Tanklasters, der schon seit gestern Morgen ununterbrochen bei uns Wasser holte:

Ich: «Wo geht es hin mit dem Wasser?»

Jay: «Etwas ausserhalb der Stadt, eine ärmere Gegend. Es ist das erste Mal, dass die Leute dort Frischwasser bekommen, das sind drei Tage… Nein, warte, es ist ja schon Dienstag, also vier Tage! Wir wollen jede Gelegenheit nutzen, um Wasser zu bekommen. Ich habe gehört, ihr geht heute Morgen schon wieder.»

Ich: «Ja, wir wären alle gerne noch länger hier, doch es ist leider nicht möglich. Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt hier sind!»

Jay: «Ja, Gott wirkt auf mysteriöse Weise. Ihr wisst gar nicht, wie sehr wir das Wasser brauchen.» Er erzählte mir, was er glaubt und wer Gott für ihn ist, und ich konnte ihm erzählen, wie es bei mir aussieht.

Ich: «Hat dir jemand schon so ein Büchlein (Johannes-Evangelium) angeboten? Das ist ein Teil der Bibel.»

Jay: «Ja, ich habe welche bekommen und ich will einige in den Notunterkünften lassen, die wir besuchen. Sobald ich dann mal Zeit habe, werde ich darin lesen.»

Ich: «Willst du noch mehr?»

Schlussendlich nahm er eine ganze Kartonkiste voll mit und verteilte sie zusammen mit dem Wasser.

Aus Liebe

Es ermutigte mich sehr, mit den Leuten auf St. Vincent zu reden und ihnen inmitten ihrer Not Hilfe und Hoffnung zu bringen. Genau das ist der Grund, weshalb ich auf dem Schiff mitarbeite!

Ich habe mir Folgendes vorgenommen: Was ich tue, will ich aus Liebe tun. Nicht für mich, nicht aus Pflichtbewusstsein, «Religiosität» oder sonst irgendwas. Jede noch so gute Tat oder Ermutigung ist nichts wert, wenn sie nicht von Herzen kommt. Und ich glaube, dazu bin ich nur fähig, weil Jesus zuerst dasselbe für mich getan hat.

Von einem Logos Hope Mitarbeiter