Isoliert

written by Nicole James

In Costa Rica arbeitet OM an zwei verschiedenen Orten: Einmal in der Hauptstadt San José und einmal in Talamanca – beide Orte sind 234 km voneinander entfernt, was eine schwierige, sechs- bis siebenstündige Autofahrt bedeutet. „Vor dem Ausbruch des Coronavirus haben wir als OM-Team teilweise zwei oder drei Wochen pro Monat in Talamanca gearbeitet“, schätzt Roberto Ramirez, der für OM in Costa Rica die Kurzeinsätze koordiniert.

Die costa-ricanische Regierung hat eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr sowie strenge Quarantänemaßnahmen verhängt, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dadurch ist das OM-Team quasi vom Herzschlag seines zweiten Zuhauses und seines Dienstes abgeschnitten. „Wenn wir nicht die Möglichkeit haben, allein oder mit einem Team nach Talamanca zu gehen, beeinträchtigt das die Art und Weise, wie wir unsere Arbeit tun können", erklärt Josue Sanchez, der die Öffentlichkeitsarbeit bei OM in Costa Rica leitet und regelmäßig bei Reisen nach Talamanca übersetzt.

„Wir haben jährlich bis zu elf internationale Kurzeinsatzteams hier, für die Talamanca immer auf dem Programm steht“, berichtet Roberto Ramirez. Da die eingeborene Bevölkerung von Talamanca, die den Baha'i-Glauben praktiziert, vom Rest Costa Ricas abgeschnitten ist und keinen Zugang zu den vielen evangelikalen Kirchen des Landes hat (die meisten Orte in Talamanca haben weder Strom, noch Internet oder Telefon), bietet der Aufenthalt der Kurzeinsatzteams und Praktikanten die Möglichkeit, mit ihnen „geistliche Freundschaften zu schließen", sagt Josue. „Wann immer ein Team kommt, gehen wir hin, setzen uns hin, trinken eine Tasse Kaffee ... Das ist die Arbeit, die wir in Talamanca tun: denen, die Jesus nicht kennen, von ihm weitererzählen.

„Eines der Dinge, die ich an Talamanca mag, ist es, mit den Einheimischen Zeit in Gemeinschaft und in ihren eigenen Häusern zu verbringen. Ich denke, dass wir uns als Christen genauso verhalten sollten, aber wir drehen uns so oft um uns selbst, dass wir vergessen, dass wir in Gemeinschaft leben müssen. So wie es Jesus uns allen gegenüber zum Ausdruck bringt", führt Roberto Ramirez aus.

„Meistens sind die Menschen in Talamanca sehr froh, wenn wir sie besuchen. Es ist für sie wie ein Hauch von frischer Luft", fügt er hinzu. „In der Bibel lesen wir in der Apostelgeschichte, dass die Gemeinde dort sehr ähnlich war: Menschen kommen zu Besuch ins Haus, das Essen wird geteilt, sie beten füreinander und ermutigen sich gegenseitig.“

Die Apostelgeschichte ist auch ein Beispiel dafür, wie Christen sich gegenseitig helfen können. Da Talamanca von anderen Städten abgeschnitten ist, wussten sowohl Roberto als auch Josue, dass die Quarantäne für die einheimische Bevölkerung unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen haben wird. Denn die Eingeborenen verlassen sich darauf, dass andere Menschen zu ihnen kommen, um Bananen und Kochbananen zu kaufen. Da sie selbst keine Autos haben, „haben sie nicht die Kapazität, ihre Ernte zu transportieren und an die Menschen in der Stadt zu verkaufen. Wenn die Menschen jetzt nicht kommen, um sie abzuholen, haben die Eingeborenen kein Einkommen für ihre Familien. Sie haben kein Geld, um Reis, Bohnen, Salz und Zucker zu kaufen, und ich bin sicher, dass es schon bald an Mitteln fehlen wird", erklärt Josue.

In der Vergangenheit konnte OM die Menschen in Talamanca in Krisenzeiten mit Notnahrung versorgen. „Wir hoffen, dass wir nach der Aufhebung der Reisebeschränkungen wieder einigen konkreten Bedürfnissen gerecht werden können“, sagt Josue.

„Im Grunde genommen hat die Arbeit in Talamanca physisch aufgehört, aber das bedeutet nicht, dass sie geistlich aufgehört hat", betont er. „Wir müssen im Gebet und in der Beständigkeit unserer Beziehung zu Gott fortfahren.“